Die Binder Blaubären TSV Flacht haben das erreicht, was noch keinem anderen Aufsteiger gelang und was vor der Saison nur die größten Träumer in Flacht für möglich gehalten hatten: ein Sieg über einen arrivierten Erstligisten. Mit dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte im Rücken geht der kleine Dorfclub in das Duell mit dem nächsten Übergegner.
Ausverkauft schon im Vorjahr
Der 20. Dezember liegt nun schon eine Weile zurück, hat aber eine nicht unwesentliche Relevanz. An jenem Samstag gastierten die Binder Blaubären TSV Flacht zum Auswärtsspiel in Borken, zeitgleich wurde die letzte Eintrittskarte für das Heimspiel gegen Lokalnachbarn und Spitzenreiter Allianz MTV Stuttgart verkauft, sieben Wochen vor dem Spiel war die Begegnung restlos ausverkauft. Das waren bislang auch alle anderen Heimspiele der Blaubären, so schnell ging es jedoch noch nie. Das Spiel gegen den Giganten, der bis Mittwoch noch im CEV-Pokal auf internationalem Niveau agierte, birgt jede Menge Prestige. Es ist ein Aufeinandertreffen von alten Bekannten und großen Gegensätzen.
Viele Blaubären in Stuttgart bekannt
TSV-Sportdirektor Jan Lindenmair ist nicht nur bei den Blaubären ein hochangesehenes Gesicht, auch bei Allianz MTV Stuttgart kennt man den Namen des ersten Stuttgarter Pokalsieger-Trainers von 2011, der erstmals einen Titel für die Volleyballerinnen in die baden-württembergische Landeshauptstadt holte. Aber nicht nur er hat eine Vergangenheit in Stuttgart. Mit Saskia Zuber, Britta Schammer, Sara Marjanovic, Leonie Büdenbender und Frauke Neuhaus stehen etliche Spielerinnen mit Stuttgart-Bezug im Kader der Blaubären. Auch die derzeit verletzte Julia Cedeño und sogar Flachts Hallensprecher entstammen der MTV-Schmiede. Es wird ein Aufeinandertreffen der besonderen Sorte.
Die großen Unterschiede
Trotz dieser Bezüge klafft jedoch eine noch unüberwindbare Lücke zwischen den beiden Vereinen, die weitaus mehr unterscheidet als eint. Der vierfache Meister, fünffache Pokalsieger und dreifache Supercupsieger spielt seine 18. Saison in Liga eins und ist in einer Riege mit dem SSC Palmberg Schwerin, dem Dresdner SC und in der aktuellen Saison auch dem VfB Suhl eine der Top-Mannschaften des Landes. Dem gegenüber steht der selbstbewusste Underdog aus dem kleinen Flacht, das bevölkerungstechnisch um ein 200-faches unter dem großen Nachbarn liegt. Als Allianz MTV Stuttgart 2023 den deutschen Meistertitel verteidigte und sich die nationale Krone zum dritten Mal aufsetzte, wurde die erste Damenmannschaft der Blaubären TSV Flacht ebenfalls Meister – allerdings in der siebtklassigen Bezirksliga. Dass man nun nicht mal drei Jahre später den Titanen aus der Landeshauptstadt in einem offiziellen Ligaspiel im kleinen Weissach empfängt, daran dachte zu dem Zeitpunkt noch niemand. Der mit sieben Nationalspielerinnen gespickte Kader der Gäste, der mit einem etwa siebenstelligen, zehnmal höheren Etat ausgerüstet ist als der des Neulings, stellt ein deutlich anderes Niveau dar.
Denkwürdiges Hinspiel in Stuttgarter High-Performer-Saison
Vor allem in der laufenden Saison sind die international gescheiterten Stuttgarter auf nationaler Ebene das Maß aller Dinge. 15 Siege aus 15 Spielen stehen zu Buche. Einzig in Münster und Dresden wurde jeweils ein Satz abgegeben. Mit Lucia Varela stellt die Mannschaft zudem eine der Spielerinnen mit den meisten goldenen MVP-Auszeichnungen in der Liga. Im Hinspiel, das im November in der SCHARRena in Stuttgart ausgetragen wurde, war in unter einer Stunde besiegelt, was im Vorfeld bereits jedem klar war: Stuttgarts Kader steht mindestens zwei Klassen über dem der Flachter, angesichts der Finanzkraft des Volleyball-Riesen darf auch über einen noch größeren Abstand diskutiert werden. Auch wenn die Blaubären den ihnen innewohnenden Kampfgeist bravourös auf das Feld brachten, hatten sie trotz aller Bemühungen sportlich keine Chance gegen das Überteam aus Stuttgart. Daran änderten auch die über 250 Gästefans nichts, die in der Halle die Stimmung komplett übernahmen und ihr Team auch nach der Partie frenetisch feierten. Ein 0:3 aus Blaubären-Sicht stellt das erwartbarste aller Ergebnisse dar. Doch spätestens nach dem vergangenen Sonntag sollte deutschlandweit bekannt sein, dass es kein Spaziergang ist, im Hexenkessel Bärenhöhle zu bestehen.
Text: FN | Binder Blaubären TSV Flacht
Foto: Nils Wüchner


