Nach dem 0:2-Rückstand gegen den ETV Hamburg sah in der Heckengäusporthalle alles nach einer klaren Angelegenheit gegen die Binder Blaubären TSV Flacht aus. Doch die Mannschaft kämpfte sich in beeindruckender Weise zurück ins Spiel. Der Lohn blieb dennoch aus.
Der mysteriöse Heimspiel-Fluch
Vor der erneut restlos ausverkauften Weissacher Bärenhöhle, die auch im neunten Heimspiel des Premierensaison im Oberhaus die maximale Auslastung erreichte, hatten die Blaubären einen Fluch zu brechen. Im dritten Heimspiel gegen den ETV Hamburg sollte der erste Heimsieg her. In den Aufeinandertreffen der beiden Aufsteiger hatte es bis dato ausschließlich Auswärtssieger gegeben, die langen Reisen waren es also für den Gast jedes Mal wert gewesen. Dieser schwarzen Heimserie wollte das Team von Manuel Hartmann nun ein Ende setzen.
Kolossaler Fehlstart für den TSV Flacht
Doch zunächst lief alles gegen die Flachter Blaubären. Die Mannschaft fand nur schleppend ins Spiel und tat sich ungewohnt schwer, Leichtigkeit in ihr Spiel zu bringen. Den ersten Satz über liefen die Blaubären lange hinterher und verloren schließlich deutlich mit 15:25. Auch im zweiten Durchgang sah es lange Zeit düster aus für den TSV Flacht, eine engagierte Aufholjagd kam zu spät. Mit 21:25 mussten die Blaubären auch Satz zwei an den Gast abtreten.
Satzpause leitet die fulminante Wende ein
Die Stimmung wurde in der Satzpause deutlich angehoben, dafür sorgte die begnadete Hochzeitssängerin Vivienne Music, die nach ihrem Besuch im vergangenen Dezember nun erneut mit zwei mitreißenden Performances die Halle rockte. In der Folge traten auch die Blaubären bedeutend couragierter und energischer auf, sie fanden wieder zu ihrer Leidenschaft zurück. Auch die Bärenhöhle, die mit ihren frenetischen Fans wiederholt die dreistelligen, handgemessenen Dezibel sprengte, blühte unter dem neuen Schwung der Flachter Frauen auf. Um Haaresbreite wäre die Aufholjagd schief gegangen, doch es reichte zum 25:23-Erfolg für den TSV Flacht, der damit im dritten Spielsatz wieder ausgleichen konnte. Ein Szenario, das nach den ersten Heimspielen so kaum denkbar erschien, doch die stark gesteigerten Blaubären trotzten dem Gast aus dem hohen Norden. Durchgang vier sah lange nach einer deutlichen Angelegenheit für die Blaubären aus, die es dann noch einmal spannend machten. Mit am Ende fünf Zählern Vorsprung (25:20) schafften die Binder Blaubären erneut das schier Unmögliche. Der sicheren Niederlage war das Team rund um Kapitänin Frauke Neuhaus von der Schippe gesprungen und hatte sich mindestens einen Punkt erkämpfen können. Zum ersten Mal in dieser Spielzeit mussten die Blaubären also in den fünften Satz.
Um Haaresbreite unterlegen
Dieser sogenannte Tie-Break begann für die Blaubären geradezu perfekt, Flacht knüpfte an die starken Leistungen der vorangegangenen Sätze an. Doch die zwischenzeitlich deutliche Führung der Blaubären hatte weder Sicherheit noch Bestand. Der ETV Hamburg kam zurück ins Spiel, wehrte Flachts Matchball ab und sicherte sich anschließend mit 17:15 einen denkbar knappen Auswärtssieg. Der Fluch des Heimteams war also erneut eingetreten, Flacht musste sich zum dritten Mal zuhause gegen Hamburg geschlagen geben. Dabei hatten sich die Blaubären jedoch weitaus teurer verkauft, als man es nach dem Fehlstart hätte annehmen können. Mit Mut und Leidenschaft war nach der aussichtslosen Situation doch noch der Punktgewinn gelungen.
MVP-Premiere für Franka van der Veer
Einen besonders großen Anteil hatte dieses Mal eine Spielerin, die zum ersten Mal eine MVP-Medaille in der Volleyball-Bundesliga erhielt. Sie hatte mit intensiven Abwehraktionen, stets gefährlichen Angriffen sowie mutigen Aufschlägen ihren Stempel auf das Spiel gedrückt. Nach zwei Einwechslungen in den ersten Sätzen stand sie in den letzten drei Durchgängen jeweils in der Startformation und verblieb über die volle Distanz auf dem Feld. Flachts spätester Sommerneuzugang hatte mit der Nummer vier auf dem Rücken das schwere Erbe der legendären Mittelblockerin Chrissi Werner angetreten und lieferte im Außenangriff eine überragende Leistung ab. Bereits in den vergangenen Wochen hatte Franka van der Veer unter Beweis gestellt, dass sie weit mehr als ein Edeljoker für Trainer Manuel Hartmann sein kann.
Trotz der Niederlage gibt es gute Neuigkeiten
Der Schmerz der denkbar knappen Niederlage lässt sich neben dem gewonnenen Punkt auch durch andere Aspekte vergessen. Flacht verhindert eine Punktgleichheit mit den Hamburger Gäste und hält diese weiter auf Distanz. In Anbetracht des ETV-Restprogramms gegen Suhl und Wiesbaden ist es unwahrscheinlich, dass sich daran etwas ändern wird, der letzte Tabellenplatz bleibt für die Blaubären damit hoffentlich Vergangenheit. Nicht nur das, nun klettert die Mannschaft sogar um einen weiteren Platz. Durch den Punktgewinn zieht Flacht mit den Skurios Volleys Borken gleich und schiebt sich durch das bessere Satzverhältnis am Vorjahres-Zweitligameister vorbei. Damit erreicht der TSV Flacht eine neue Höchstplatzierung in der Erstliga-Tabelle und steht mit Platz neun aktuell als bester Aufsteiger im Tableau. Ein Umstand, den die begeisterten Blaubären-Fans sicher begrüßen dürften.
Text: FN | Binder Blaubären TSV Flacht
Foto: Nils Wüchner


