Bester Aufsteiger: Blaubären Flacht schaffen das Wunder

März 14, 2026

Entgegen allen Wahrscheinlichkeiten kämpfen sich die Binder Blaubären TSV Flacht nach einem Rückstand beim Dresdner SC zurück und erbeuten mit einem 2:3 den wichtigen Punkt.

 

Die Anhänger der Binder Blaubären hatten im Vorfeld gewitzelt: Man müsse ja gar nicht beim großen Dresdner SC gewinnen, ein Punkt würde reichen, um den TSV Flacht sicher zum tabellenbesten Aufsteiger zu machen. Die Mannschaft von Trainer Manuel Hartmann schien diese Fantasie wörtlich zu nehmen. Tatsächlich gelang den Blaubären aus Flacht, was keiner für möglich gehalten hatte. Dabei hatte es am Anfang noch nicht nach Erfolg ausgesehen. Oder gerade doch.

 

Denn der mutige Aufsteiger aus dem Süden gab sich beim ostdeutschen Titanen, der noch auf den zweiten Tabellenplatz schielte, keinesfalls wie das benötigte Kanonenfutter für den Dresdner SC – ganz im Gegenteil. Mit einem begeisternden Auftritt in der gut besuchten Dresdner Margon Arena brachten die Blaubären Flacht den amtierenden Vizemeister schier zur Verzweiflung. Es ging so weit, dass die Blaubären dem Satzgewinn zunächst näher waren als die Hausherrinnen, am Ende zogen die auf höchstem nationalen und internationalen Niveau erfahrenen DSC-Profis den Satz denkbar knapp auf ihre Seite (25:23). Als der Gastgeber mit einem zweiten Satzgewinn in die Pause ging (25:18), waren sich viele der Rot-Schwarzen Anhänger sicher eines klaren Heimsieges zum Abschluss der Hauptrunde gewiss. Sie sollten sich bitter täuschen.

 

Die Blaubären haben sich in ihrer ersten Bundesliga-Spielzeit einen Ruf erarbeitet. Die Mannschaft geht an ihre Grenze, sie kämpft und lässt sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen. Dazu passt eine Statistik: die Flachter Blaubären holten in dieser Saison noch nie Punkte nach einem gewonnenen ersten Satz. Überhaupt gewannen sie nur in Münster den ersten Satz, in allen anderen Spielen ging der erste Durchgang an den Gegner, so auch in Dresden. Doch der doppelte Rückstand beeindruckte weder die Mannschaft um Kapitänin und MVP Frauke Neuhaus noch die zahlreichen Flachter Anhänger, welche die Margon Arena aufmischten und sich gegen eine mehr als 60-fache Dresdner Überrepräsentation auf den Rängen lautstark bemerkbar machten. Im Zusammenspiel stemmte sich der Verein gegen die drohende Niederlage, mit 25:22 krallten sich die Schwarz-Blauen den dritten Satz. Bis auf die Top-Drei aus Stuttgart, Suhl und Schwerin hatte keine andere Mannschaft auch nur einen einzigen Satz in der Dresdner Sportstätte, die sich mit der Sporthalle Berg Fidel in Münster den Status als größte Halle der Bundesliga teilt, gewonnen. Doch die Blaubären schickten sich an, noch einen drauflegen.

 

Der Dresdner SC hatte weiterhin große Mühe, die wildgewordenen Bären zu bändigen. Im vierten Satz, der für den DSC den sicheren Dreier hätte bringen können, gelang es dem Heimteam kaum nennenswert, an den Gästen vorbeizuziehen. Der verbissen kämpfende Flachter TSV ließ sich nicht abschütteln und rang den turmhohen Favoriten Tatsächlich nieder. Nach einem 25:23 für die Frauen aus Flacht ging es tatsächlich entgegen allen Erwartungen in den Tie-Break. Das zweitlängste Spiel des Tages ging damit erst als letztes Duell der Hauptrunde zu Ende. Zwar gewann der DSC diesen mit 15:11, doch der Flachter Freude tat dies keinerlei Abbruch.

 

Anders als für Dresden verändert der Punktgewinn an der Flachter Situation noch ganz Entscheidendes. Dresden musste auf Ausrutscher des SSC Palmberg Schwerin und des VfB Suhl hoffen, um die Chance zu wahren, als Zweitplatzierter in die Playoffs um die Meisterschaft einzuziehen. Doch diese Hoffnungen wurden nicht erfüllt. Die Suhler Wölfe gaben sich in Aachen kaum Blöße und siegten souverän mit 3:1. Schwerin dagegen holte sich im Spitzenspiel gegen den weit enteilten Tabellenführer aus Stuttgart nur einen Punkt, wodurch der SSC den zweiten Platz an den Pokalsieger aus Suhl abgeben muss, zumindest aber vor Dresden verbleibt. Flacht hingegen punktet zum dritten Mal in Folge und schiebt sich damit vor die Skurios Volleys Borken. Die Binder Blaubären TSV Flacht schaffen das Unmögliche: der große Außenseiter schließt seine Debütsaison im deutschen Oberhaus als bester Aufsteiger ab. Die Mannschaft wurde vor dem Gästeblock empfangen und als die Dresdner Anhänger die Halle längst verlassen hatten, noch mit lautstarken Gesängen in die wohlverdiente Sommerpause verabschiedet.

 

Text: FN | Binder Blaubären TSV Flacht
Foto: Nils Wüchner

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